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Die Anerkennung des Neandertalers

Jun 20 2010 01:00 | Moosa in Neandertaler

Nach dem ersten Knochenfund im Neanderthal, gab es in den nächsten  Jahrzehnten noch in vielen weiteren europäischen Ländern Funde, die dem  im Neanderthal sehr glichen. Dadurch wurde es nahezu unmöglich, die  Knochen einfach auf gelegentlich vorkommende Mißbildungen einzelner  Menschen zu schieben. Eine neue Erklärung musste her. So akzeptierte man  den Neandertaler schließlich als primitiven Angehörigen einer alten  babarischen Rasse.

Man dachte aber weiterhin vom Neandertaler als  dummen, affenähnlichen und nicht empfindungsfähigen Wesen der, wenn  überhaupt, mit dem Menschen nur sehr weit entfernt verwandt war.
  Geprägt wurde dieses Bild maßgeblich von Marcellin Boule, der zwischen  1911 und 1913 drei bedeutende Werke veröffentlichte und in diesen den  Neandertaler als affenähnlichen und primitiven Gesellen darstellte.  Seine Werke hatten ein so großes Gewicht, dass sie die Vorstellungen der  Menschen vom Neandertaler entscheidend prägten. Man dachte vom  Neandertaler als schlurfenden, gebeugten und stumpfsinnigen  Zeitgenossen.
Erst ab mitte der 1950er begann sich dieses Bild  langsam zu ändern, die beiden Anatomen William Staus und A.J.E. Cave  haben erneut, das von Boule verwendete, Skelett eines Neandertalers  untersucht und kamen dabei zu überraschenden Ergebnissen. Das Skelett  war von einem sehr alten Mann der unter Arthritis litt und wenn man dies  berücksichtigt, ergibt sich ein ganz anderes Bild vom Neandertaler.

So waren die Neandertaler zwar im Vergleich zum modernen Menschen etwas  kleiner und kräftiger, aber im Wesentlichen glichen sie eher uns als  einem Affen. Sie hatten kräftige Überaugenwülste, eine fliehende Stirn  und keinen Kinnvorsprung. Ihr Gehirn war geringfügig größer als unseres  und ihre Muskeln waren sehr stark ausgeprägt. Zusammengefasst war der  Neandertaler also ein eher kleiner aber stämmig gebauter Kerl. Seitdem  der Neandertaler von Wissenschaft und Öffentlichkeit ganz anders  wahrgenommen wird, ist er auch bis heute Gegenstand vieler  Untersuchungen geworden. Man befasst sich endlich ernsthaft mit ihm und  stempelt ihn nicht einfach als minderwertig ab.

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Die Kultur des Neandertalers

Jun 20 2010 01:00 | Moosa in Neandertaler

Der Begriff Kultur kann wohl durchaus unterschiedlich interpretiert  werden. Aber vor allem wenn man bedenkt wie noch vor 100 Jahren über den  Neandertaler gedacht wurde, kann man wohl durchaus davon ausgehen, dass  der Neandertaler schon viele wichtige kulturellen Merkmale errungen  hatte.

Der klassische Neandertaler  lebte vor 100.000 bis 30.000 Jahren. Dabei handelte es sich um eine  leicht gedrungene, muskulöse und starkknochige Gestalt. Als Jäger und  Sammler war der Neandertaler abhängig von seinem Lebensraum. Als  typische Werkzeuge dienten ihm vor allem Faustkeile und runde Kratzer,  feinere Steinklingen und Steinschaber. Mit viel Fingerfertigkeit wurden  kleinste Steinsplitter mit Birkenpech in dazu passende Holzgriffe  geschäftet. Elfenbein von Mammutstoßzähnen war der Rohstoff für  verschiedene Geräte und Waffen. Mammutknochen dienten auch in der kargen  Steppenlandschaft als Brennholzersatz. Dort, wo es Mammuts im Überfluss  gab, dienten die Knochen auch als Baumaterial für Behausungen. Von der  Menschenart Neandertaler sind noch viele Werkzeuge und ähnliche  kulturelle Zeugnisse vorhanden, die das Portrait eines Menschen zeigen,  der zu besonderen Leistungen im kulturellen und sozialen Bereich  befähigt war.

Ein besonderes Zeugnis aus der Urgeschichte über  die menschliche Fürsorge und ein gut funktionierendes Sozialgefüge fand  man in Zagreb in der Krapina-Höhle. Dort wurden die Relikte eines  männlichen Neandertalers gefunden, der einen Teil seines Unterarms  verloren hatte. In diesem Fall, wie auch bei verschiedenen anderen  Neandertaler-Knochenfunden erkennt man an den Verletzungen die Spuren  von Heilungen. Dies deutet darauf hin, dass die Neandertaler ihre  Behinderten pflegten, sie dauerhaft ernährten und umsorgten, damit auch  sie Überlebenschancen durch die erhaltenen Zuwendungen hatten. Auch in  Shanidar, Kurdistan, wurde ein stark durch Krankheiten und Verletzungen  deformiertes, männliches Skelett gefunden. Die Knochensubstanz war  verändert, und Brüche wieder verheilt - trotzdem konnte der Mann mit  seinen Behinderungen für längere Zeit überleben, was wahrscheinlich an  der aktiven Fürsorge anderer Neandertaler lag.


Auch das Sterben  und der Tod wurden von den Neandertalern nicht mit Gleichgültigkeit  hingenommen. Von ihnen sind als früheste Menschenform bereits  Erdbestattungen belegt worden. Dies lässt sich bezeugen durch die  Entdeckung von Neandertaler-Gräbern im Nahen Osten, die aus einer Zeit  stammen die rund 100.000 Jahre zurückliegt. Aus der Lage der gefundenen  Skelette ließ sich ableiten, dass die Neandertaler ihre Toten zum Teil  in Hockerstellung seitlich ruhend mit angewinkelten Beinen oder auf dem  Rücken liegend bestatteten. Die Gräber oder natürlich entstandenen  Mulden, die zur Bestattung dienten, waren nur etwa einen Meter tief.

In der französischen Dordogne, in La Ferassie wurde sogar vor einem  Felsdach ein kleiner urzeitlicher Friedhof gefunden mit den sterblichen  Überresten von vier Kindern und zwei Erwachsenen Neandertalern. Des  Weiteren wurden bei den Ausgrabungen 9 Erdhügel in symmetrischer  Anordnung entdeckt und freigelegt, von denen einer das Grab eines  Neugeborenen Kindes bedeckte. Solche Bestattungsriten deuten auf bereits  existierenden Götter- oder Naturglauben hin.

Bekannt ist auch  das Blumengrab von Shanidar, wo man eine hohe Konzentration von Pollen  buntblühender Pflanzen entdeckte, die Rückschlüsse darauf zulassen, dass  der Tote auf Blumen gebettet worden war. Allerdings ist dies bis heute  nicht gänzlich geklärt, da es auch Wissenschaftler gibt die vermuten,  die Pollen würden aus dem Nahrungslager einer Maus o.ä. stammen.

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Die Verwandtschaft zwischen Mensch und Neandertaler

Jun 20 2010 01:00 | Moosa in Neandertaler

Ist der Mensch mit dem Neandertaler verwandt  oder lebten im Pleistozän, der Zeit von vor 130.000 bis 30.000 Jahren  zwei Hominiden, also Menschenartige, parallel nebeneinander? Fragen, die  sich Wissenschaftler seit geraumer Zeit stellen. Immer wieder werden  neue Erkenntnisse gewonnen - über den aktuellen Stand der Wissenschaft wird  hier berichtet.

  Mittlerweile scheint eines gesichert zu sein: Neandertaler und Mensch  waren nicht direkt miteinander verwandt. Sie gingen lediglich aus einer  gemeinsamen Vorgängerart des Menschen im frühzeitlichen Afrika hervor.  Doch ihre Entwicklungsstränge verliefen unterschiedlich und bewegten  sich auseinander. Dies ist das Ergebnis neuester DNA Untersuchungen,  welche mittlerweile zusätzlich zu den Fossilfunden eine gute Möglichkeit  geben, mehr über den Menschen herauszufinden. Genauer als die DNA kann  nichts aufklären über die Zugehörigkeiten unter den Hominiden.

  Gemeinsamer Vorfahr von Mensch und Neandertaler ist der Homo erectus,  der so genannte "aufrecht gehende Mensch". Er lebte vor etwa 2 Millionen  Jahren in den afrikanischen Savannen. Einige Homo erectus zogen wohl  von Afrika aus über die Landbrücke der Straße von Gibraltar nach Europa.  Aus diesen entstand der Neandertaler. Die Homo erectus in Afrika waren  die Vorfahren des Homo sapiens, welcher erst viel später Europa  besiedelte und auf den Neandertaler traf.

Erst etwa vor 40.000  Jahren haben sich wohl der erste Neandertaler und Homo sapiens gesehen.  Zu jener Zeit, als der Neandertaler ganz Europa besiedelte und zu seinem  Land machte.

Die Verwandtschaft von Mensch und Neandertaler  wurde immer wieder thematisiert. Nachdem er in der jüngeren  Vergangenheit immer wieder als Verwandter gesehen wurde, machten  Forscher früherer Zeiten aus ihm eine durch und durch tumbe Kreatur,  einen Hominiden, der nicht zum Überleben fähig war so wie der Homo  Sapiens. Doch auch wenn mittlerweile bewiesen ist, dass kaum  Verwandtschaft besteht, haben jüngere Forschungen ebenfalls ergeben,  dass der Neandertaler keineswegs dumm war. Er hatte in vieler Hinsicht  sogar eine weitergehende intellektuelle und soziale Entwicklung als der  damalige Mensch hinter sich.

Lediglich das Aussehen der  Neandertaler war urtümlicher als das des Menschen. Denn die Neandertaler  waren kleiner und kompakter als die Angehörigen der Homo sapiens. Die  fliehende Stirn und dicken Augenülste des Neandertalers wurden schon oft  als rückständig angesehen - doch dahinter befand sich ein sehr weit  entwickeltes Gehirn. Eines, das zu diesem Zeitpunkt seinesgleichen  suchte - und unter den Homo sapiens sicher nicht fand. Gerade die Sinne  Sehen und Hören waren besonders gut ausgeprägt. Auch war der  Neandertaler handwerklich wohl äußerst begabt, wie zahlreiche Funde  zeigen. Er fertigte enorm viele verschiedene Werkzeuge, wie etwa  Schneideklingen, Bohrer und vieles mehr. Somit war er hierbei weiter  entwickelt als der Homo sapiens. Auch die Jagd beherrschte der  Neandertaler sehr gut, auch unter den schwierigen Bedingungen der  Eiszeiten. In einer weiteren Hinsicht scheint die Entwicklung des  Neandertalers zu dieser Zeit ebenfalls weiter gewesen zu sein als die  des Homo sapiens. Der Neandertaler besaß eine wirkliche Fähigkeit zu  trauern. Die Friehöfe dieser Hominiden zeugen davon, dass sie eine  deutliche Vorstellung hatten von der Zuneigung zu einem geliebten  Menschen, der nicht mehr unter ihnen war. Und sie hatten einen Gedanken  vom Jenseits so viel scheint sicher.

Vielleicht waren es auch  gerade diese ausgeprägten denkerischen Fähigkeiten und Gefühle, jedoch  das geringe Handeln, was den Homo sapiens letztlich im Kampf siegen  ließ. Auch des Sprechens war der Neandertaler fähig, ergeben neueste  Untersuchungen. Allerdings ist nicht klar, inwieweit sich daraus eine  echte Sprache entwickelte.

Eines jedoch könnte dem Neandertaler  bei all seinen Fähigkeiten zum Verhängnis geworden sein: Er war nicht  dazu fähig, im Voraus zu planen. Diese Zonen seines Gehirns waren extrem  schlecht ausgeprägt. Dies hatte jedoch der Homo sapiens dem  Neandertaler weit voraus - und konnte ihn möglicherweise so beherrschen  und letztlich unterminieren. Kämpfe zwischen den Neandertalern und den  Homo sapiens gab es auf jeden Fall - davon zeugen Knochen der Hominiden  sowie Waffen.

Wie sah es allerdings aus mit der Liebe zwischen  Neandertalern und Homo sapiens? Manche Forscher gehen heute auch von der  These aus, dass sich Neandertaler und Homo sapiens durchaus vermischen  konnten - diese Ansicht ist jedoch höchst umstritten. Allerdings  erscheint dies in der Gegend der Levante, im Nahen Osten durchaus  möglich, denn dort haben beide Hominidenarten wohl seit 60.000 Jahren  nebeneinander existiert, hatten also mehr Zeit, sich tatsächlich zu  paaren. Ob dies jedoch geschah - dafür gibt es keinerlei Beweise. Jedoch  ist auch nicht unwahrscheinlich, dass es gewisse Vermischungen gab.


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Die Entdeckung des Neandertalers

Jun 11 2010 07:00 | Moosa in Neandertaler

Im Jahr 1856 wurden im Neanderthal bei Düsseldorf von Steinbrucharbeitern Knochenreste gefunden.Zuerst interessierte  sich niemand für diese Reste und ein Großteil wurde wahrscheinlich  einfach achtlos weggeworfen. Schließlich entschied man sich aber doch,  ein Schädeldach, Rippen und einiges weitere zu dem Naturforscher Johann  Carl Fuhlrott zu bringen.
  
Carl Fuhlrott (Bild rechts) untersuchte zusammen mit dem Anatomen Hermann Schaafhausen (Bild unten rechts) die Knochen und die beiden erkannten sofort, dass es sich  bei den Knochen um menschliche handelt. Aus den vorstehenden  Augenbrauenwülsten und dem kurzen gedrungenen Körper schlossen sie, dass  es sich um ein vorzeitliches Individuum handeln müsse, da es bei diesen  Dingen überhaupt keine Ähnlichkeiten mit dem modernen Menschen gibt. http://www.neanderta...ery_1_1_376.jpg' rel='lightbox'>http://www.neanderta...ery_1_1_376.jpg' />

Leider hatte der Neandertaler das Pech, zu einem sehr ungünstigen  Zeitpunkt gefunden zu werden. Man versuchte zu jener Zeit mit großer  Sturheit, die Theorie von Charles Darwin zu leugnen, die besagt, dass  der Mensch vom Tier abstammt. Der Neandertaler wäre das fehlende  Bindeglied gewesen um die Evolution vom Tier zum Menschen zu erklären.  So kam es zu allerlei obskuren Theorien, um das seltsame  Erscheinungsbild des Neandertalers zu erklären:

  • Am  Nachvollziehbarsten war wohl noch die Theorie, dass das gefundene  Skelett zu einem "Idioten" gehöre. Also etwas in der Art wie ein  urzeitlicher Glöckner von Notre Dame.
  • Ein  deutscher Anatom glaubte, dass die o-beinigen Knochen von einem  mongolischen Kosaken stammen, der sein Leben lang auf dem Pferd geritten  war. Nach Europa kamen seine Knochen, als die Mongolen in der  russischen Kavallerie dienten und Napoleon nach Frankreich  zurückdrängten.
  • Ein andere Anatom  glaute, dass die flache Schädeldecke von einem "alten Holländer" stamme.
  • Und einer glaubte sogar, dass die Neandertaler an  Rachitis litten und wegen der Schmerzen ihre Stirn in Falten legten.  Dadurch kam es zu den großen Augenbrauenwülsten.
Auch  heute noch bietet der Neandertaler Anlass zu Diskussionen. So streiten  sich Wissenschaftler seit Jahren, ob der "moderne" Mensch den  Neandertaler verdrängt habe, oder ob die beiden Spezies durch Paarungen  ineinander aufgegangen seien.
In den letzten Jahren wurde wurde es  dann mit neuen DNA-Untersuchungsmethoden möglich, den Neandertaler mit  dem Menschen zu vergleichen. Dabei wurde festgestellt, das die  Ähnlichkeiten so minimal sind, das Paarungen wohl nur äußerst selten  Kinder hervorgebracht haben und Neandertaler und Mensch sogar  verschiedenen Arten zugerechnet werden könnten.
Der Neandertaler ist  demnach mit großer Wahrscheinlickeit kein Vorfahre des Menschen  gewesen.
Somit überwiegt die Verdrängungstheorie, die besagt, dass  der moderne Mensch nach Europa gewandert ist und dort den Neandertaler  verdrängt hat. Aber auch die genauen Vorgänge dieser Verdrängung bzw. ob  Neandertaler und Menschen überhaupt über einen längeren Zeitraum  nebeneinander gelebt haben sind noch nicht genau geklärt und somit gibt  es noch viele spannende Ansatzpunkte für die Wissenschaft.

Weitere Bilder:

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Bild 1: Zeichnung der Knochenfunde im Neandertal
Bild 2: Gedenktafel im  Neandertal zu Ehren von Carl Fuhlrott
Bild 3: Die Fundstelle im Neandertal beim Rabenstein

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