Die Anerkennung des Neandertalers
Nach dem ersten Knochenfund im Neanderthal, gab es in den nächsten Jahrzehnten noch in vielen weiteren europäischen Ländern Funde, die dem im Neanderthal sehr glichen. Dadurch wurde es nahezu unmöglich, die Knochen einfach auf gelegentlich vorkommende Mißbildungen einzelner Menschen zu schieben. Eine neue Erklärung musste her. So akzeptierte man den Neandertaler schließlich als primitiven Angehörigen einer alten babarischen Rasse.
Man dachte aber weiterhin vom Neandertaler als dummen, affenähnlichen und nicht empfindungsfähigen Wesen der, wenn überhaupt, mit dem Menschen nur sehr weit entfernt verwandt war.
Geprägt wurde dieses Bild maßgeblich von Marcellin Boule, der zwischen 1911 und 1913 drei bedeutende Werke veröffentlichte und in diesen den Neandertaler als affenähnlichen und primitiven Gesellen darstellte. Seine Werke hatten ein so großes Gewicht, dass sie die Vorstellungen der Menschen vom Neandertaler entscheidend prägten. Man dachte vom Neandertaler als schlurfenden, gebeugten und stumpfsinnigen Zeitgenossen.
Erst ab mitte der Fünziger begann sich dieses Bild langsam zu ändern, die beiden Anatomen William Staus und A.J.E. Cave haben erneut, das von Boule verwendete, Skelett eines Neandertalers untersucht und kamen dabei zu überraschenden Ergebnissen. Das Skelett war von einem sehr alten Mann der unter Arthritis litt und wenn man dies berücksichtigt, ergibt sich ein ganz anderes Bild vom Neandertaler.
So waren die Neandertaler zwar im Vergleich zum modernen Menschen etwas kleiner und kräftiger, aber im Wesentlichen glichen sie eher uns als einem Affen. Sie hatten kräftige Überaugenwülste, eine fliehende Stirn und keinen Kinnvorsprung. Ihr Gehirn war geringfügig größer als unseres und ihre Muskeln waren sehr stark ausgeprägt. Zusammengefasst war der Neandertaler also ein eher kleiner aber stämmig gebauter Kerl. Seitdem der Neandertaler von Wissenschaft und Öffentlichkeit ganz anders wahrgenommen wird, ist er auch bis heute Gegenstand vieler Untersuchungen geworden. Man befasst sich endlich ernsthaft mit ihm und stempelt ihn nicht einfach als minderwertig ab.
