Die Entdeckung des Neandertalers
Jun 11 2010 06:00 | Moosa
in Neandertaler




Im Jahr 1856 wurden im Neanderthal bei Düsseldorf von Steinbrucharbeitern Knochenreste gefunden.Zuerst interessierte sich niemand für diese Reste und ein Großteil wurde wahrscheinlich einfach achtlos weggeworfen. Schließlich entschied man sich aber doch, ein Schädeldach, Rippen und einiges weitere zu dem Naturforscher Johann Carl Fuhlrott zu bringen.Carl Fuhlrott (Bild rechts) untersuchte zusammen mit dem Anatomen Hermann Schaafhausen (Bild unten rechts) die Knochen und die beiden erkannten sofort, dass es sich bei den Knochen um menschliche handelt. Aus den vorstehenden Augenbrauenwülsten und dem kurzen gedrungenen Körper schlossen sie, dass es sich um ein vorzeitliches Individuum handeln müsse, da es bei diesen Dingen überhaupt keine Ähnlichkeiten mit dem modernen Menschen gibt.

Leider hatte der Neandertaler das Pech, zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt gefunden zu werden. Man versuchte zu jener Zeit mit großer Sturheit, die Theorie von Charles Darwin zu leugnen, die besagt, dass der Mensch vom Tier abstammt. Der Neandertaler wäre das fehlende Bindeglied gewesen um die Evolution vom Tier zum Menschen zu erklären. So kam es zu allerlei obskuren Theorien, um das seltsame Erscheinungsbild des Neandertalers zu erklären:
- Am Nachvollziehbarsten war wohl noch die Theorie, dass das gefundene Skelett zu einem "Idioten" gehöre. Also etwas in der Art wie ein urzeitlicher Glöckner von Notre Dame.
- Ein deutscher Anatom glaubte, dass die o-beinigen Knochen von einem mongolischen Kosaken stammen, der sein Leben lang auf dem Pferd geritten war. Nach Europa kamen seine Knochen, als die Mongolen in der russischen Kavallerie dienten und Napoleon nach Frankreich zurückdrängten.
- Ein andere Anatom glaute, dass die flache Schädeldecke von einem "alten Holländer" stamme.
- Und einer glaubte sogar, dass die Neandertaler an Rachitis litten und wegen der Schmerzen ihre Stirn in Falten legten. Dadurch kam es zu den großen Augenbrauenwülsten.
Auch heute noch bietet der Neandertaler Anlass zu Diskussionen. So streiten sich Wissenschaftler seit Jahren, ob der "moderne" Mensch den Neandertaler verdrängt habe, oder ob die beiden Spezies durch Paarungen ineinander aufgegangen seien.
In den letzten Jahren wurde wurde es dann mit neuen DNA-Untersuchungsmethoden möglich, den Neandertaler mit dem Menschen zu vergleichen. Dabei wurde festgestellt, das die Ähnlichkeiten so minimal sind, das Paarungen wohl nur äußerst selten Kinder hervorgebracht haben und Neandertaler und Mensch sogar verschiedenen Arten zugerechnet werden könnten.
Der Neandertaler ist demnach mit großer Wahrscheinlickeit kein Vorfahre des Menschen gewesen.
Somit überwiegt die Verdrängungstheorie, die besagt, dass der moderne Mensch nach Europa gewandert ist und dort den Neandertaler verdrängt hat. Aber auch die genauen Vorgänge dieser Verdrängung bzw. ob Neandertaler und Menschen überhaupt über einen längeren Zeitraum nebeneinander gelebt haben sind noch nicht genau geklärt und somit gibt es noch viele spannende Ansatzpunkte für die Wissenschaft.
Weitere Bilder:
Bild 1: Zeichnung der Knochenfunde im Neandertal
Bild 2: Gedenktafel im Neandertal zu Ehren von Carl Fuhlrott
Bild 3: Die Fundstelle im Neandertal beim Rabenstein
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